Mittelpunkt - Januar 2026

Liebe*r Leser*in,

wir hoffen, Sie sind gut und energiegeladen in das Jahr 2026 gestartet. Der Jahresbeginn lädt dazu ein, innezuhalten, zurückzublicken und gleichzeitig mit frischem Blick nach vorn zu schauen. Auch wir haben die vergangenen Monate reflektiert und blicken dankbar auf viele inspirierende Begegnungen, spannende Projekte und wertvolle Zusammenarbeit zurück.

Mit dem neuen Jahr eröffnen sich erneut Chancen, Ideen weiterzuentwickeln, neue Wege zu gehen und gemeinsam Zukunft zu gestalten. Dabei möchten wir Sie weiterhin begleiten: mit Einblicken in aktuelle Entwicklungen, praxisnahen Impulsen und Neuigkeiten aus der Suchtprävention und Suchthilfe in Hamburg.

Vielen Dank, dass Sie uns weiterhin dabei begleiten!

Herzliche Grüße

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG 

Dokumentation JAhrestagung STRESS.KONSUM.SUCHT. – Perspektiven der Prävention und Beratung am 19. November 2025

Die Jahrestagung STRESS.KONSUM.SUCHT. – Perspektiven für Prävention und Beratung von SUCHT.HAMBURG fand am 19. November 2025 in der Stiftung Kulturpalast in Hamburg statt. Rund 100 Fachkräfte aus Suchthilfe, -prävention, Bildung, Gesundheitsförderung und medizinischer Versorgung sowie Vertreter*innen aus Politik und Behörden diskutierten die Zusammenhänge von Stress, Konsum und Sucht.

Stress ist ein ständiger Begleiter unseres Lebens: Zwei Drittel der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig oder manchmal gestresst, fast die Hälfte empfindet das Leben heute als stressiger als vor 15 Jahren. Stress kann Erkrankungen auslösen und beeinflusst den Umgang mit Substanzen und suchthaften Verhaltensweisen. Die Tagung stellte Fragen wie: Nehmen Abhängigkeitserkrankungen in stressbelasteten Phasen zu? Welche Auswirkungen haben solche Phasen auf Kinder und Jugendliche? Und wie können Menschen trotz Belastungen stabil und gesund bleiben?

Nach der Begrüßung durch Staatsrat Tim Anger und Christiane Lieb (Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG) eröffnete Prof. Dr. Susanne Vogel (MSH Medical School Hamburg) mit dem Vortrag „Stress: Begriffsbestimmung und Auswirkungen auf Denken, Fühlen und Handeln“. Sie zeigte, wie Stress auf kognitiver, emotionaler und verhaltensbezogener Ebene wirkt – bei Betroffenen und Fachkräften – und machte deutlich, dass Stress auch ein strukturelles Phänomen ist.

Dr. Lisa Hasenbein (Deutsches Jugendinstitut München) beleuchtete in „Gesundes Aufwachsen inmitten von Spannungsfeldern?“ die Lebenswelten junger Menschen. Empirische Daten zeigen, wie Krisen, ökonomische Unsicherheiten und familiäre Belastungen das Wohlbefinden prägen. Schutzfaktoren wie stabile Beziehungen und niedrigschwellige Angebote sind entscheidend.

Niobe Osius (SUCHT.HAMBURG) stellte in „Drogen sind out – oder doch nicht? Erkenntnisse aus 20 Jahren SCHULBUS“ aktuelle Trends im Konsumverhalten Jugendlicher vor. Langzeitdaten zeigen: Klassische Substanzen verlieren teils an Bedeutung, während Medikamentenmissbrauch und digitale Stressfaktoren zunehmen. Im Anschluss an die Vorträge bot die Gesprächsrunde „Der Druck steigt – Impulse zum Umgang mit Stress in gesellschaftlichen Krisen“ mit Bianca Kunze (jhj Hamburg e.V.), Nadja Borlinghaus (Frauenperspektiven e.V.) und Petra Hofrichter (HAG) erste praxisnahe Ansätze. Diskutiert wurden Resilienzförderung, Netzwerke und der Schutz von Fachkräften vor Überlastung.

Am Nachmittag vertieften die Teilnehmenden ihr Wissen in sechs Workshops:

  • Selbstmedikation in Krisen (Silke Großbach)
  • Coping-Strategien und Konsummotivation der GenZ (Rüdiger Schmolke)
  • Rassismusbedingter Stress und Folgen für die psychische Gesundheit (Zami Khalil)
  • Psychische Flexibilität als Schutzfaktor – Stressbewältigung mithilfe der ACT (Shirley Hartlage)
  • Digitaler Stress oder normale Mediennutzung? (Cathrin Tettenborn)
  • HaLT – Ansätze der Sofortintervention (Stefanie Hubrich, Katrin Vlaar)

Im Workshop zu rassismusbedingtem Stress verband Zami Khalil wissenschaftliche Fakten mit persönlichen Erfahrungen und schloss mit der Botschaft: „There is a difference between being looked at and being seen.“ Shirley Hartlage stellte die Akzeptanz-Commitment-Therapie (ACT) vor, die psychische Flexibilität als Schlüssel zur Stressbewältigung betont. Der Workshop zu HaLT gab Einblicke in Prävention und Sofortintervention bei riskantem Alkoholkonsum Jugendlicher, inklusive Entwicklungen seit 2011 und Bedarfen für gesundes Aufwachsen unter multiplen Belastungen.

Die Vorträge finden Sie hier auf unserer Webseite.


28. Jahresbericht der ambulanten Suchthilfe in Hamburg erschienen

Der Hamburger BADO e.V. legt mit dem Statusbericht 2024 seinen 28. Jahresbericht zur Suchthilfe vor. Die Datengrundlage bilden 18.073 Betreuungen für 15.174 unterschiedliche Personen, womit in Hamburg wieder mehr Hilfesuchende erreicht wurden als im Vorjahr und das Niveau von 2021 erreicht. 2024 wurden auch Angehörige und Personen aus dem sozialen Umfeld verstärkt beraten: 1.840 Betreuungen für 1.739 Angehörige wurden dokumentiert, was ebenfalls einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Ein weiterer Trend betrifft Eltern mit minderjährigen Kindern im Haushalt. Diese Gruppe ist sozioökonomisch etwas bessergestellt und gesundheitlich wie psychisch tendenziell weniger belastet, nutzt die Suchthilfe aber weniger intensiv. Verpflichtungen aus Erwerbs- und Care-Arbeit erschweren ihnen offenbar den Zugang zu Unterstützungsangeboten. Innerhalb dieser Gruppe zeigt sich zudem ein deutlicher Unterschied zwischen Müttern und Vätern: Mütter sind häufiger alleinerziehend, nicht erwerbstätig und werden überdurchschnittlich oft vom Jugendamt in die Beratung zugewiesen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer eng abgestimmten Zusammenarbeit zwischen Suchthilfe und Jugendhilfe.

Auffällig ist die Entwicklung im Bereich der Opioide. Die Zahl der Personen aus dem sozialen Umfeld, die wegen einer Opioidproblematik in Kontakt mit der Suchthilfe stehen, hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdreifacht. Unter ihnen hat sich die Zahl der Eltern sogar beinahe versiebenfacht. Gleichzeitig zeigt sich innerhalb der Klientel mit eigener Suchtproblematik eine Verjüngung: Die Zahl der unter 25‑Jährigen mit Opioid-Hauptproblem ist trotz insgesamt sinkender Fallzahlen stark gestiegen, vor allem durch die Zunahme sogenannter „anderer Opioide. Zu erwähnen ist hierbei der höhere Anteil von Frauen in dieser Gruppe, was auf eine besondere Dynamik innerhalb dieser Substanzkategorie hinweist und dafür spricht, diese Zielgruppe künftig genauer zu betrachten.

Im Bereich Kokain zeigt sich ebenfalls ein kontinuierlicher Anstieg über den gesamten Zehnjahreszeitraum hinweg. Die Suchthilfe erreicht diese Klient*innen gut, wobei die Altersgruppe der 36‑ bis 45‑Jährigen am stärksten vertreten ist. Parallel dazu wird deutlich, wie wichtig die Betrachtung der Betreuungsintensität ist. Die Auswertungen zu Einmalkontakten zeigen, dass diese nicht als abgeschlossene Einzelereignisse verstanden werden können. Auch Klient*innen, die zunächst nur einmal eine Beratung aufsuchen, kehren häufig in späteren Jahren wieder zurück. Einmalkontakte können somit als Einstiegspunkt in das Hilfesystem dienen, und es empfiehlt sich, frühzeitig Anschlussmöglichkeiten zu schaffen, um spätere Folgekontakte zu fördern.

Quelle und weitere Informationen: www.bado.de 

Weitere Neuigkeiten und Materialien

Broschüre „Alkohol am Arbeitsplatz - Praxishilfe für Führungskräfte“ vollständig überarbeitet

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) hat die Broschüre „Alkohol am Arbeitsplatz – Praxishilfe für Führungskräfte“ vollständig überarbeitet. Die neue Version enthält aktualisierte Empfehlungen des Wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS sowie die aktuellen Qualitätsstandards der betrieblichen Suchtprävention. Zusätzlich wurden konkrete, direkt an Führungskräfte gerichtete Handlungsanweisungen ergänzt, ebenso ein eigenes Kapitel für Auszubildende. Auch das Betriebliche Eingliederungsmanagement wurde erweitert und inhaltlich mit dem klassischen Stufenplan verknüpft, unterstützt durch eine neue Grafik zur besseren Orientierung in der Praxis. Insgesamt soll die überarbeitete Broschüre Führungskräfte gezielt dabei unterstützen, sicher und kompetent mit Alkoholproblemen im Betriebsalltag umzugehen. Quelle: https://www.dhs.de/service/aktuelles/meldung/vollstaendig-ueberarbeitete-broschuere-alkohol-am-arbeitsplatz-praxishilfe-fuer-fuehrungskraefte/

#WIRWERDENSICHTBAR – Coa-Aktionswoche 2026

Die 17. bundesweite Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien findet vom 22. bis 28. Februar 2026 statt. #wirwerdensichtbar ist das Motto der diesjährigen COA-Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien. In Deutschland wachsen fast 3 Mio. Kinder und Jugendliche mit einem suchtkranken Elternteil auf. Die häufigste Suchterkrankung stellt dabei die Alkoholabhängigkeit eines oder beider Elternteile dar. Jedes sechste Kind in Deutschland lebt zumindest zeitweilig in einer alkoholbelasteten Familie. Informationen unter www.coa-aktionswoche.de. Veranstaltungen von SUCHT.HAMBURG im Rahmen der Aktionswoche:

Erinnerungen einer vergessenen Kindheit - Filmvorführung und Fachdiskussion am 23. Februar ab 15 Uhr Mehr Informationen und Anmeldung

 Tim - ein Leben mit dem Fetalen Alkoholsyndrom - Lesung und Diskussion am 24. Februar ab 14 Uhr Mehr Informationen und Anmeldung

Connect – Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien | Ein Netzwerk stellt sich und seine Arbeitsweise vor am 25. Februar ab 10 Uhr Mehr Informationen und Anmeldung

12. Alternativer Drogen- und Suchtbericht erschienen

Anfang Dezember 2025 wurde der inzwischen 12. Alternative Drogen- und Suchtbericht veröffentlicht. Von den Autor*innen wird eine umfassende Neuorientierung der deutschen Drogenpolitik gefordert. Hintergrund sind der Anstieg bei den Drogentodesfällen, zunehmende HIV-Infektionen, die Verelendung durch Crackgebrauch sowie die drohende Ausbreitung synthetischer Opioide wie Fentanyl, die laut den Herausgeber*innen eine moderne, wissenschaftsbasierte Strategie dringend erforderlich machten. Die bisherige nationale Drogenstrategie von 2012 sei veraltet und greife aktuelle Entwicklungen wie Teillegalisierung von Cannabis, E‑Zigaretten oder neue Laborstoffe nicht auf.

Zur Veröffentlichung wurde symbolisch ein Cannabis-Showroom eingerichtet, der die fehlenden legalen, kontrollierten Abgabestrukturen verdeutlichen soll, da selbst Modellprojekte von Behörden blockiert werden. Gefordert werden u. a. flächendeckende Drogenkonsumräume, breiter Zugang zu Naloxon, Drugchecking, Gleichstellung der Diamorphin-Substitution sowie bessere Kooperation von Drogenhilfe und Psychiatrie. Quelle und ausführliche Informationen https://alternativer-drogenbericht.de/12-alternativer-drogen-und-suchtbericht-2025/

Veröffentlichungen von SUCHT.HAMBURG

Mehrsprachiger Elternratgeber zum Thema Mediennutzung

Ab sofort ist der neue Elternratgeber „Beim Frühstück oder im WhatsApp-Chat? Tipps zum Umgang mit Medien in der Familie“ in sechs Sprachen erhältlich. Er kann in unserem Online-Shop heruntergeladen oder als Printversion bestellt werden. https://sucht-hamburg.de/shop

SCHULBUS Gesamtbericht

Im November 2025 wurde der Gesamtbericht zur „Epidemiologischen Entwicklung suchtgefährdenden Verhaltens von 14- bis 17-jährigen Jugendlichen in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen“ veröffentlicht. In dem Gesamtbericht sind neben den Ergebnissen der Schüler*innenbefragung ebenfalls die Ergebnisse der Befragungen der Lehrkräfte sowie Eltern ausführlich beschrieben.

Alkoholmissbrauch durch Jugendliche und Erwachsene

Unter www.sucht-hamburg.de/information/publikationen steht die aktuelle Dokumentation der Fallzahlentwicklungen der im Zeitraum 2003 bis 2023 wegen einer akuten Alkoholintoxikation im Krankenhaus vollstationär behandelten Patient*innen in Deutschland mit Fokus auf die drei Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sowohl als Kurzübersicht wie auch als vollständiger Bericht zur Verfügung. 

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Cannabisprävention in der Jugendhilfe am 9. Februar online Mehr Informationen und Anmeldung

Essstörungen bei jugendlichen Mädchen*– Eine Fortbildung mit Fallarbeit am 24. Februar Mehr Informationen und Anmeldung

Connect – Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien – Ein Netzwerk stellt sich und seine Arbeitsweise vor am 25. Februar Mehr Informationen und Anmeldung

Der grüne Koffer – Methodenset Cannabisprävention am 23. März Mehr Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention I – Basisseminar am 24. März Mehr Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention II – Aufbauseminar am 14. April Mehr Informationen und Anmeldung

Viele weitere aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie auf unserer Fortbildungswiese

Termine

„Abhängigkeitserkrankungen und Behinderung“ der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung am 15. Januar online. Mehr Informationen

„Unsere Arbeit neu erzählt: Storytelling in der Gesundheitsförderung und Prävention“ der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. am 21. Januar online Mehr Informationen

31. Kongress Armut und Gesundheit „Gesundheit ist politisch!“ am 16. und 17. März in Berlin Mehr Informationen  

30. Suchttherapietage Hamburg "Erfahrung trifft Aufbruch - Impulse für eine zukunftsfähige Suchthilfe?" vom 11. bis 13. Mai Mehr Informationen

10. bundesweite Aktionswoche Alkohol „Entdecke wie viel mehr in dir steckt – mit weniger oder ganz ohne Alkohol" vom 13. bis 21. Juni statt. Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 26. Januar    

AK Enter 12. Februar   

AK Sucht.Jugend 18. Februar  

AK Vielfalt 26. Februar  

FASD-Netzwerktreffen 25. März  

Die Termine unserer Gremien finden Sie stets aktuell auch unter www.sucht-hamburg.de/information/termine

Teile dieses Newsletters wurden mit Unterstützung von Copilot (KI-gestützte Assistenz von Microsoft) erstellt.

Kontakt

SUCHT.HAMBURG
Information.Prävention.
Hilfe.Netzwerk.

Baumeisterstr. 2
20099 Hamburg
Fon: 040 284 99 18-0
service@sucht-hamburg.de
www.sucht-hamburg.de

Ansprechpartnerin

Christiane Lieb
(Geschäftsführerin)