Mittelpunkt - Juni 2026

Liebe*r Leser*in,

zurzeit läuft die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer und bei aller Freude am Spiel ist diese Zeit für Menschen, die ihre Teilnahme an Sportwetten nicht mehr im Griff haben und deren Angehörige eine sehr herausfordernde. Herausfordernd sind erneut einige politische Entwicklungen: Die bekannt gewordenen Kürzungsvorhaben in der Eingliederungs- und Jugendhilfe stellen ein hohes Risiko für die Leistungsempfangenden dar und bedeuten gleichzeitig eine strukturelle Schwächung des Hilfesystems. Gerade in solchen Zeiten wird besonders deutlich, wie wichtig es ist, dass Hilfe und Unterstützung sichtbar, zugänglich und verlässlich bleiben.

In der vorliegenden Ausgabe von Mittelpunkt beschäftigen wir uns unter anderem mit aktuellen Ergebnissen der Drogenaffinitätsstudie des BIÖG, der Veröffentlichung des Europäischen Drogenberichts und vielem mehr. Melden Sie sich schon jetzt zu den zahlreichen Fortbildungsangeboten an, die nach den Sommerferien stattfinden.

Eine schöne Sommerzeit und herzliche Grüße!

Christiane Lieb

Geschäftsführerin SUCHT.HAMBURG

SUCHT.WISSEN.KOMPAKT – WISSEN, DAS IN DEN ALLTAG PASST – NEUE FORTBILDUNGSREIHE

Wie geht man im Alltag mit exzessivem Medienkonsum um? Wann wird Gaming problematisch? Und was bedeutet eigentlich die Verbreitung verschiedener neuer Nikotinprodukte unter Jugendlichen für die Praxis?

Mit SUCHT.WISSEN.KOMPAKT starten wir eine neue Fortbildungsreihe für Fachkräfte, in der wir genau solche Fragen aufgreifen – kurz, verständlich und nah an der Praxis. In rund 60 Minuten pro Termin geben wir Einblicke in unterschiedliche Themen aus der Suchtarbeit – z. B. zu Medienkonsum, Computerspielen, Nikotinprodukten und weiteren aktuellen Entwicklungen. Dabei geht es uns nicht nur um reines Wissen, sondern vor allem um alltagstaugliche Impulse, die Sie direkt in Ihre Arbeit mitnehmen können. Dabei legen wir großen Wert darauf, kompakt zu bleiben, ohne oberflächlich zu werden und die Inhalte fachlich fundiert und gleichzeitig gut zugänglich zu machen, ohne den Blick auf Ihre Praxis und Ihre Fragen zu verlieren.

Die Reihe richtet sich an Fachkräfte aus Beratung, Pädagogik sowie dem Sozial- und Gesundheitsbereich, die ihr Wissen auffrischen oder einzelne Themen gezielt vertiefen möchten. Für die Teilnahme an drei Veranstaltungen unserer Reihe SUCHT.WISSEN.KOMPAKT kann eine anrechenbare TN-Bescheinigung für das Hamburger Basiscurriculum Jugend und Sucht (BC) Modul 1 erworben werden.

Themen und Termine finden Sie auf unserer Website FORTBILDUNG | SUCHTPRÄVENTION | HAMBURG. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

ZWISCHEN FUSSBALL-WM UND SPORTWETTENINDUSTRIE

Mit der aktuell laufenden Fußball-WM der Männer wächst nicht nur die Begeisterung für den Sport – auch Sportwetten werden gefühlt noch allgegenwärtiger. Werbung in Medien und Apps vermittelt zunehmend den Eindruck, Wetten seien ein normaler Teil des Fußballs und unserer Freizeit. Die Risiken geraten dabei immer weiter in den Hintergrund. Daher stellt sich (hoffentlich nicht nur für uns als Fachstelle für Suchtfragen) eine zentrale Frage: Wie stark wird Glücksspiel im Zuge solcher Großereignisse verharmlost? Wie sehr tragen wir als Gesellschaft zur Verharmlosung von Glücksspiel bei? Denn gerade im Kontext eines emotional aufgeladenen Großereignisses werden Risiken häufig ausgeblendet – während die Anbietendenseite dies verstärkt nutzt und ganz gezielt auf Verfügbarkeit, Schnelligkeit und niedrigschwellige Zugänge setzt.

Entgegen der immer noch weit verbreiteten Annahme entscheidet bei Sportwetten nicht primär Wissen, sondern der Zufall. Im Weiteren fördern Mechanismen wie „Beinahe-Gewinne“ und besonders Live-Wetten impulsives Verhalten und erhöhen das Suchtpotenzial. Mit rund 1,2 Millionen Betroffenen in Deutschland ist Glücksspielstörung kein Problem einzelner Individuen, sondern ein relevantes Feld für Prävention, Versorgung und Regulierung. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht gerade jetzt wichtig zu handeln und die Verantwortung für die Folgen von Glücksspielen sichtbar zu machen. Denn ein bewusster Umgang mit Sportwetten ist keine reine Individualentscheidung, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe.

Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige finden sich unter www.automatisch-verloren.de. „Automatisch Verloren“ ist ein gemeinsames Projekt der Sozialbehörde und von SUCHT.HAMBURG.

SAVE THE DATE - JAHRESTAGUNG 2026 MENSCH.SUCHT.ZUGANG – WEGE DER ERREICHBARKEIT NEU DENKEM AM 18. NOVEMBER 2026

Menschen mit riskantem Konsumverhalten oder einer Abhängigkeitserkrankung nehmen häufig erst sehr spät – oder auch gar nicht – professionelle Hilfe in Anspruch. Die Gründe dafür sind vielfältig: individuelle Hemmschwellen, strukturelle Hürden, fehlende Zugänge oder auch mangelnde Passung bestehender Angebote. Unsere diesjährige Jahrestagung „MENSCH.SUCHT.ZUGANG – Wege der Erreichbarkeit neu denken“ widmet sich genau diesen Fragen: Wie können wir Betroffene und Angehörige besser erreichen? Welche Zugänge fehlen – und wie können wir sie schaffen? Und wie muss sich das Suchthilfesystem weiterentwickeln, um mehr Menschen zu erreichen?

Gemeinsam mit Ihnen möchten wir Gründe für die (Nicht-)Inanspruchnahme von Hilfsangeboten, neue und alternative Zugangswege zur Suchthilfe, die Rolle von innovativen Ansätzen wie Online-Streetwork, Zugänge zur Party- und Nightlife-Szene und Möglichkeiten der Einbindung von Peers in Prävention und Unterstützung diskutieren.

Unsere Tagung versteht sich als offener Denk- und Austauschraum, in dem Fachkräfte, Wissenschaft, Betroffene und Selbstvertretung miteinander ins Gespräch kommen. Ziel ist es, Perspektiven zusammenzuführen, voneinander zu lernen und Impulse für die Weiterentwicklung der Praxis mitzunehmen.

Zum Auftakt erwarten Sie fachliche Impulse, ein trialogisches Format sowie fünf thematische Workshops, die die Möglichkeit bieten, zentrale Fragestellungen zu vertiefen und gemeinsam zu diskutieren.

Unsere Jahrestagung richtet sich an Akteur*innen aus Suchthilfe, Suchtprävention, Gesundheitsförderung, Bildung und medizinischer Versorgung, sowie an Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Behörden. Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Weitere Informationen zur Anmeldung unter www.sucht-hamburg.de. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

WEITERE NEUIGKEITEN UND MATERIALIEN

Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zeigt steigenden Kokainkonsum unter jungen Erwachsenen

Aktuelle Daten der Drogenaffinitätsstudie des BIÖG zeigen, dass der Konsum illegaler Drogen bei Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren keine signifikanten Veränderungen zu den Vorjahren aufweist, während bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren eine Zunahme des Konsums von Kokain zu verzeichnen ist. Gleichzeitig geht der Konsum anderer illegaler Substanzen als Kokain in dieser Altersgruppe leicht zurück bzw. ist unverändert. Die wichtigsten Kennzahlen zum Gebrauch illegaler Drogen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden sich kompakt zusammengestellt in einem Infoblatt.

Europäischer Drogenbericht 2026 veröffentlicht

Anfang Juni wurde der Europäische Drogenbericht 2026 der European Union Drugs Agency (EUDA) veröffentlicht. Der Bericht beschäftigt sich intensiv mit Veränderungen bei Cannabis- und Cannabinoidprodukten und den damit verbundenen Problemen, der Verfügbarkeit von Kokain und damit einhergehenden Gesundheitsbedenken, aktuellen Entwicklungen in Bezug auf synthetische Drogen sowie Herausforderungen im Zusammenhang mit opioidbedingten Gesundheitsschäden. Ausführliche Informationen finden sich hier auf der Seite der EUDA

20 Jahre regionales Netzwerk „Quit the Shit“

Über 14.000 Menschen haben das Angebot „Quit the Shit“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) genutzt, das seit 2006 mit einem Netzwerk kommunaler Suchtberatungsstellen kooperiert. Der Erfolg von Quit the Shit liegt unter anderem in einer individuellen Online-Beratung, zu der parallel ein digitales Konsumtagebuch geführt wird und regelmäßiges Feedback erfolgt. Angesichts der weiten Verbreitung problematischer Konsummuster im Zusammenhang mit regelmäßigem Cannabiskonsum bietet Quit the Shit und das Netzwerk eine niedrigschwellige, wichtige Unterstützung zur Verhaltensänderung. Quelle und weitere Informationen unter www.bioeg.de

Jahrbuch Sucht 2026 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)

Im April ist das Jahrbuch Sucht 2026 zu aktuellen Drogenkonsumtrends und Suchtverhalten in Deutschland erschienen. Ein Schwerpunkt des Jahrbuchs Sucht ist die intensive Beschäftigung mit den Folgen des Konsums von Alkohol, der in Deutschland am weitesten verbreiteten Droge. Die Autor*innen stellen unter anderem gesundheitliche Schäden, die erhebliche Krankheitslast und durch Alkohol verursachte Todesfälle sowie die große Defizite in der deutschen Alkoholpolitik dar. Weitere Themen des Jahrbuchs Sucht sind Tabak- und Nikotinprodukte, Medikamente, Cannabis, illegale Drogen, Glücksspiele und Internetnutzungsstörungen. Mehr Informationen und Download

Veröffentlichungen und Neuigkeiten von SUCHT.HAMBURG

Save the date - Medienpädagogischer Fachnachmittag von Mediencoach am 23. September

Zwischen TikTok, Gaming und KI stehen Fachkräfte immer wieder vor der Frage, wie sie Kinder, Jugendliche und Familien in digitalen Themen konstruktiv und vor allem nachhaltig wirksam begleiten können. Medienkompetenz und Gesundheit zusammenzudenken wird dabei immer wichtiger: in Beratung, Prävention, Jugendarbeit und Bildung. Beim Mediencoach-Fachnachmittag am 23. September im RBO-Studio Hamburg erwarten Sie praxisnahe Impulse, Austausch mit Kolleg*innen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern sowie konkrete Anregungen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf aktuelle Entwicklungen und Zusammenhänge rund um Medienkompetenz, Gesundheit und digitale Lebenswelten. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung folgen in Kürze. Nähere Infos zum Projekt unter www.mediencoach.info

Ausgewählte Fortbildungsangebote in Hamburg

Schwierige Gespräche mit Eltern und Kolleg*innen führen – Herausforderungen in Gesprächen professionell meistern am 24. August Mehr Informationen und Anmeldung

Der grüne Koffer – Methodenset Cannabisprävention am 7. September Mehr Informationen und Anmeldung

Kind s/Sucht Familie – zweitätige Multiplikator*innenschulung am 7. und 8. Oktober Mehr Informationen und Anmeldung

Trauma: Wissensgrundlagen und Handlungshinweise für den Umgang mit psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen am 8. Oktober Mehr Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention I – Aufbauseminar am 13. Oktober Mehr Informationen und Anmeldung

Grundlagen der Suchtprävention II – Aufbauseminar am 19. November Mehr Informationen und Anmeldung

Alkohol- und Drogenkonsum in der Schwangerschaft am 8. Dezember Mehr Informationen und Anmeldung

Viele weitere aktuelle Fortbildungsangebote in Hamburg finden Sie unter Fortbildung | Suchtprävention | Hamburg

Termine

Kongress Pakt für Prävention 2026: Gesundheit – (k)ein Thema für Jugendliche? am 17. September 2026 Mehr Informationen

Medienpädagogischer Fachnachmittag vom Mediencoach am 23. September 2026 in Hamburg Mehr Informationen in Kürze

20. Wissenschaftliches Gespräch der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) „Suchtstigma im Wandel: Evidenz, Praxis, Perspektiven“ vom 21. bis 23. Oktober 2026 in Leipzig Mehr Informationen

Save the Date: 65. DHS-Fachkonferenz SUCHT „Öffentlicher Raum und verborgene Welten“ 27. und 28. Oktober Mehr Informationen

Save the Date: Jahrestagung von SUCHT.HAMBURG „MENSCH.SUCHT.ZUGANG – Wege der Erreichbarkeit neu denken“ am 18. November Mehr Informationen in Kürze

3. ESIC-Fachtag zur Cannabisprävention des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung am 20. November 2026 Mehr Informationen

Gremien von SUCHT.HAMBURG

FASD-Netzwerktreffen 1. Juli

AK Vielfalt 2. Juli

AK Sucht.Jugend 2. September

AK Kinder von suchtbelasteten Eltern 21. September

AK Enter 8. Oktober

 

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Kontakt

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Hilfe.Netzwerk.

Baumeisterstr. 2
20099 Hamburg
Fon: 040 284 99 18-0
service@sucht-hamburg.de
www.sucht-hamburg.de

Ansprechpartnerin

Christiane Lieb
(Geschäftsführerin)